| „Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt, mit bunten Blumen und Kräutern.“ – In seinem „Sonnengesang“ (vermutlich aus dem Jahre 1224/25) singt Franz von Assisi ein Loblied auf die Schönheit der Schöpfung, für die er Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, dankt. Sein Hymnus ruft die enge Verbindung von Mensch und Natur ins Gedächtnis, und schärft darin das Bewusstsein, dass des Menschen leibliche Wohl letztlich von einer guten Ernte abhängt.
In dankbarer Haltung feiert die Kirche daher vielerorts am ersten Sonntag im Oktober Erntedank, um Gott für die Früchte der Erde und alles erfahrene Gute zu danken. In diesem Jahr fällt das Fest auf den 800. Todestag des Heiligen, der Sonne und Mond seinen Bruder und seine Schwester nannte, und von dem die Legende erzählt, dass er auch den Vögeln predigte. |
| Bei Sonnenschein und milden Temperaturen fand der diesjährige Erntedankgottesdienst nicht in der Pfarrkirche St. Peter und Paul, sondern unter freiem Himmel im Schwaigfeld statt. Zahlreiche Besucher, auch aus dem benachbarten BRK-Seniorenwohnheim, fanden sich am Grünanger ein, um Gottesdienst zu feiern. Für eine festliche Kulisse auf der Seebühne sorgten der mit verschiedenen Feldfrüchten und Blumen geschmückte Altar sowie die Abordnungen der städtischen Vereine, die mit ihren Fahnen gekommen waren. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von einem Bläserquartett unter der Leitung der Kirchenmusikerin Johanna Mazur. |
| Zum Auftakt des Gottesdienstes richtete Pfarradministrator Josef Steindlmüller seinen Dank an die Landwirten des Stadtgebietes Olchings für ihre Arbeit auf den Feldern und die von ihnen eingebrachte Ernte. In diesem Zusammenhang zitierte er sinngemäß aus einem Gespräch mit einem Landwirt, der ihm gegenüber zu bedenken gab, dass noch vor 200 Jahren ein Hitzesommer wie dieser mit Sicherheit Hunger im Winter bedeutet hätte. Dass in Olching trotz des Extremsommers Nahrung und Trinkwasser nicht knapp geworden seien, gebe Anlass zur Dankbarkeit.
In den von Kindern vorgetragenen Kyrie-Rufen wurde der Wert des Teilens ins Zentrum gerückt. Das Motiv fand weiterhin Fortsetzung in einer Kinderpredigt, die von Gemeindereferentin Marion Dafner-Freese zusammen mit Mitwirkenden aus dem Familiengottesdienstteam in Anlehnung an das Evangelium vom reichen Kornbauern (Lk 12,15-21) gestaltet wurde. Darin kam eine Schatztruhe zum Einsatz, die sinnbildlich Pate für die im Evangelium erwähnte Scheune stand, in der der reiche Kornbauer seine Schätze hortet, ohne sie mit anderen zu teilen. Im Anschluss daran wurde der Frage nachgespürt, wodurch das Leben im Miteinander reicher werde. Neben Lego und Liebe wurden der Wert von Familie und Freundschaft, Kommunikation und Austausch, die Begegnung von Mensch und Tier sowie die Verbindung mit Jesus erwähnt. Für diese wahren Schätze, die sich nicht einsperren ließen, stand in der Predigt ein offenes Herz. |
| Auch die Fürbitten wurden von Kindern unter Verwendung ausdrucksstarker Symbolik vorgetragen. Eine Schale mit Erde, ein Wasserkrug, ein Laib Brot, eine Blume, eine Bibel, ein Kreuz und eine Kerze symbolisierten die Bitte um einen achtsamen Umgang mit der Schöpfung, um sauberes Trinkwasser, Nahrung und Gerechtigkeit für alle Menschen, um Wachstum in Glaube, Hoffnung und Liebe angesichts von Krankheit, Einsamkeit und Tod. |
| Franz von Assisi schrieb seinen Sonnengesang gegen Ende seines Lebens in einer Phase, in der er unter einer Augenkrankheit leidend in einem abgedunkelten Zimmer verbringen musste, ohne die von ihm besungene Schönheit der Schöpfung tatsächlich vor Augen zu haben. In der Dunkelheit und Stille seines Selbst fand er sich als Teil der Schöpfung wieder und konnte sich verbunden mit ihr und ihrem Schöpfer erleben. Das Vorbild des Heiligen könne uns daran erinnern, dass auch unsere Seele Hunger und Durst habe und immer wieder genährt werden müsse – beispielsweise durch Gebet, Meditation und den Besuch der Heiligen Messe, so Pfarrer Steindlmüller in seiner Predigt der Vorabendmesse zum Erntedankfest.
(Text: Sonja Abrell-Kastner) |
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| Text und Bilder: Sonja Abrell-Kastner |