| Hallo Emily, schön, dass du dir Zeit genommen hast. Wir wolle heute auf deine Aussendungsfeier zurückschauen. Am Tag des heiligen Benedikt von Nursia wurdest du zusammen mit Sr. Jona Marie, Christoph Lohmer und Joseph Fraunhofer vom Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx in der Pfarrkirche St. Georg in Schloßberg zur Pastoralreferentin ausgesandt. Ihr vier seid zusammen einen langen Ausbildungsweg gegangen. Darf ich fragen: Was verbindet euch miteinander?
Wir waren bei der Aussendung zwar nur zu viert, aber unser Kurs war insgesamt größer: Es waren auch Gemeindereferenten und -referentinnen und Diakone sowie ein Ehepaar dabei. Uns verbinden die gemeinsamen Erfahrungen. Wir waren unterwegs durch Höhen und Tiefen: Da waren die Prüfungen, das gemeinsame Lernen und Diskutieren über Lerninhalte im Stüberl. Da gibt es viele Dinge, die wir gemeinsam erleben durften. Auch die gemeinsamen Exerzitien. |
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| Bild: die vier Neuausgesandten vor der Pfarrkirche in Schloßberg, © Fotoagentur Kiderle |
| Im Vorfeld der Aussendungsfeier wart ihr ja auch noch einmal eine Woche lang auf Exerzitien. Wie habt ihr euch dort auf die Aussendung vorbereiten können?
Wir waren zusammen im Exerzitienhaus Leitershofen und haben uns dort Gedanken über die Bibelstellen der Aussendung, aber auch über unseren persönlichen Aussendungsauftrag gemacht. Der Herr Kardinal hat uns damit in der Feier ja ganz individuell angesprochen und unsere Sendung betont: Dass wir alle ausgesandt sind, das Evangelium Christi zu verkünden und zu leben. Das ist etwas ganz Besonderes. In den Aussendungsexerzitien ist mir das noch einmal neu bzw. anders bewusst geworden: Was es bedeutet, von der Kirche gesandt zu sein. |
| Du hast dir ja als Sendungsspruch eine Stelle aus dem Propheten Nehemia ausgesucht. Begleitet dich dieser Spruch schon länger und was verbindest du damit?
Der Spruch ist „Die Freude am HERRN ist eure Stärke“ und diese Worte spricht der Prophet Nehemia dem Volk Israel in einer Phase des Wiederaufbaus und der Umkehr zu. Das Volk Israel besinnt sich in einer Situation, die von Trauer oder auch Betroffenheit geprägt ist, auf die Schrift. Mir gibt die Stelle Hoffnung. Ich muss mich nicht immer freudig fühlen und kann mich trotzdem immer an diesen Zuspruch und Auftrag erinnern: Dass wir mit dem Herrn unterwegs sind und nicht alles aus eigener Kraft schaffen müssen. |
| Was macht dir im Alltag Freude?
Vor allem mit den Menschen unterwegs zu sein, ihre Geschichten zu hören. Das macht mir Freude. Aber auch zu lesen (nicht immer Theologisches), mit Freunden zusammen zu sein, zu bouldern. Mein Glaube ist mir sehr wichtig und dazu gehört auch die Freude am Leben. Beides greift für mich ineinander. |
| Du hast vorhin erwähnt, dass Kardinal Marx dir einen ganz persönlichen Auftrag zugesprochen hat. Willst du uns verraten, was er dir dabei mit auf den Weg gegeben hat?
Das war in dem Moment, als er mir die Heilige Schrift überreicht hat, verbunden mit der Sendung, das Evangelium zu verkünden und zu leben. Was mich persönlich angesprochen hat, ist der Auftrag, die Menschen auf das Evangelium neugierig zu machen. Das finde ich etwas unglaublich Schönes. |
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| Bild: Kardinal Marx überreicht Emily Pinto Perdomo die hl. Schrift, © Fotoagentur Kiderle |
| Das ist eine schwierige Aufgabe. Hast du ein Rezept? Wie kann es gelingen, Menschen auf das Evangelium neugierig zu machen?
Ich glaube, das geht Hand und Hand damit, das Evangelium zu leben. Vielleicht macht es allein schon deshalb neugierig, dass ich eine junge Frau bin, die für die Kirche arbeitet. Den Glauben auf diese Weise zu leben, ist nicht unbedingt ganz alltäglich und ich glaube, allein dadurch macht es schon neugierig. Nein, ein Patentrezept habe ich nicht. |
| Schade, dann wäre sicher Einiges leichter. Noch eine andere Frage, Emily: Im Festgottesdienst wurde ja das Lied „Here I am Lord“ mit dem Text von Laura Vogel gesungen. Darin heißt es unter anderem: „I will go Lord, if You lead me, I will hold Your people in my heart.” Wie wird dieser Satz für dich in Kürze konkret?
„I will hold Your people in my heart” – Ich fühle das schon manchmal sehr. Für andere Menschen da zu sein. Das ist ja auch das, was ich jetzt dann in der Krankenpastoral tun werde. Bei Menschen zu sein, die gerade Schwieriges durchmachen, und bei deren Angehörigen. Hier wird es für mich konkret: Ich darf jetzt gehen, ohne zu wissen, was Tag für Tag auf mich zu kommt, und gleichzeitig zu wissen, dass ich Gott in die Begegnung mit den Menschen folge, dass er mich führen wird und derjenige ist, der den Trost schenkt, und ich dabei Werkzeug sein darf. Das ist ein unglaubliches Privileg. |
| Das klingt sehr schön. Darf ich dich noch fragen: Was war für dich an diesem besonderen Tag der emotionalste Moment?
Ich glaube, das war tatsächlich nach der Aussendung bei diesem Lied. Das war für mich ein Moment, wo für mich das Ganze echt geworden ist, dadurch, dass ich das noch einmal singen und aussprechen durfte: „Here I am Lord.“ Auch wenn auch alle anderen mitgesungen haben. |
| Und wie … Sag mal, Emily, werden wir dich in Zukunft auch in Olching noch sehen?
Ich werde immer wieder hier als Gläubige im Gottesdienst sein.
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| Ich freue mich, wenn wir uns wieder begegnen. Vielen Dank für dieses Gespräch! |
| Das Interview führte Sonja Abrell-Kastner mit Emily Pinto Perdomo am 15.7.2026, wenige Tage nach ihrer Aussendung |